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In welcher Tonart steht ein Stück?

Ergibt sich das nicht aus den Vorzeichen?

Vorzeichen sind hilfreich, aber nicht ausreichend. Beispiel: Ein # steht laut Quintenzirkel für G Dur oder E Moll. Und dann gibt es noch modale Musik. Das Stück kann auch in D mixolydisch oder A dorisch stehen. Letztlich geht es neben den Vorzeichen auch um das tonale Zentrum der Melodie. 

Im ABC-Standard gibt es eine Tabelle der Vorzeichen und zugehörigen musikalischen Modi/Tonarten. Veränderte Töne im Inneren des Stücks geben zusätzliche Hinweise, zum Beispiel auf harmonisches Moll. Bei mehrteiligen Stücken kommt es vor, dass die Teile in unterschiedlichen Tonarten verfasst sind (zum Beispiel bei vielen Polkas). Das ergibt sich nicht immer an den Vorzeichen, zum Beispiel ist ein Teil in G Dur verfasst, der andere in E Moll. Hier hilft der Leitton des jeweiligen Teils weiter – siehe unten.

Wozu sollte ich das wissen?

Aus der Tonart ergeben sich die passenden Begleitakkorde. Wenn nur die Melodie vorliegt, kann man sich eine mehr oder minder passende Akkordfolge zusammenstellen. Eine Begleitung, die passt, mit der man allerdings niemanden vom Hocker reißt, verwendet die Akkorde der ersten, vierten und fünften Stufe. Die fünfte Stufe wird auch gerne als Siebener-Akkord verwendet, also zum Beispiel G7 statt G; das bringt Spannung herein, die man dann mit der ersten Stufe wieder auflöst. Im Folk wählt man bevorzugt Akkorde, die nur Töne enthalten, die in der ausgewählten Tonart auch vorkommen. Das passt wunderbar zu den Beschränkungen diatonischer Instrumente.

TonartVorzeichenIIVV
C DurkeinesC DurF DurG Dur
A MollkeinesA MollD MollE Moll
D dorischkeinesD MollG DurA Moll
G Dur#G DurC DurD Dur
E Moll#E MollA MollH Moll
A dorisch#A MollD DurE Moll

Ein genereller Bauplan für empfohlene Akkorde in Dur, Moll, Mixolydisch und Dorisch sieht so aus:

ModusIIVV
Dur (ionisch)DurDurDur
MixolydischDurDurMoll
DorischMollDurMoll
Moll (äolisch)MollMollMoll

Um etwas Abwechslung hereinzubringen, kann man auch Akkorde wählen, die zum wichtigsten Ton im aktuellen Takt passen. Bei House of the Rising Sun ist der C-Dur-Akkord im zweiten Takt vermutlich deswegen gewählt worden.

Den Leitton suchen

Wenn man nicht so begnadet ist, dass man den Leitton heraushört, hilft ein Blick auf den Schluss des Stückes. Oft ist der Leitton der letzte Ton. Leitton und Vorzeichen ergeben dann eine eindeutige Tonart. Der Schluss ist nicht immer der letzte Ton im letzten Takt, manchmal endet die Notation mit einer Wiedereinführungsphrase. Spielt man ein Stück, hört man jedoch, ob man dort tatsächlich aufhören kann; mit etwas Erfahrung findet man den Leitton dann doch. Fehlt einem Stück ein Schluss, kann man versuchsweise den Leitton anhängen.

Beispiel

House of the Rising Sun ist ohne Vorzeichen notiert (also kommen primär C Dur und A Moll in Frage). Es hat den Leitton A, dazu ist ein G gegen Schluss erhöht, und das weist direkt auf harmonisches Moll hin, also A Moll harmonisch.

Modi und Tonarten im ABC-Standard

Dankenswerterweise versteht der ABC-Standard Angaben des Modus. Man kann also K:ADor schreiben und erhält ein # in der Notenschrift.

Begleitakkorde mit dem diatonischen Akkordeon

Ein zweireihiges diatonisches Akkordeon hat acht Knöpfe auf der linken Seite. Die paarweise unteren Knöpfe erzeugen Basstöne, die oberen Begleitakkorde. Gäbe es keine Dopplungen auf Zug/Druck, stünden acht Bässe und acht Akkorde zur Verfügung. Durch die Dopplungen sind es nur noch sechs. Die Tasten sind passend zu den Tonarten der rechten Seite belegt. 

Faustregel für intuitives Spielen: Die oberen zwei Knöpfe, wenn die Melodie auf der äußeren Reihe gespielt wird, die unteren für die innere Reihe.

Wenn ein Register vorhanden ist, mit dem die Terzen abgeschaltet werden, kann man Powerchords statt der vorgegebenen Akkorde nutzen. 

Zusätzliche Akkorde erhält man, wenn man Basstöne mit Begleitakkorden kombiniert. Beispiele:

Erhaltener AkkordAkkord und Bass
Dm7F Akkord und D Bass
Em7G Akkord und E Bass
F7A Akkord und F Bass

Leitereigene Akkorde

Hier noch ein genereller Überblick über leitereigene Akkorde. 

ModusDur-AkkordeMoll-AkkordeDim-Akkord7er Akkord
Dur1 4 52 3 675
Moll3 6 71 4 527
Dorisch3 4 71 2 564
Mixolydisch1 4 72 5 631

Man kann gut erkennen, dass Mixolydisch nahe an Dur und Dorisch nahe an Moll ist. Hier ist das ganze für ein paar gängige Tonleitern ausgeführt:

VorzeichenTonartenDur-AkkordeMoll-AkkordeDim-Akkord7er Akkord
keinesC Dur, A Moll, D dorisch, G mixolydischC F GD E AHdimG7
ein KreuzG Dur, E Moll, A dorisch, D mixolydischG C DA H EFis dimD7
zwei KreuzeD Dur, H Moll, E dorisch, A mixolydischD G AE Fis HCis dimA7
ein bF Dur, D Moll, G dorisch, C mixolydischF B CG A DEdimC7

Modale Musik

Dur und Moll-Tonarten teilen sich den selben Notenvorrat und klingen doch ganz verschieden. Beim diatonischen Instrument fällt auf, dass Moll-Tonarten vorwiegend auf Zug gespielt werden – die Luft wird knapp. 

Historisch gab es die Kirchentonarten, aus denen sich schließlich Dur und Moll entwickelten.  Vieles (beispielsweise Kirchenmusik) wurde auf das Dur/Moll-System umgeschrieben. Einige Stücke haben die Umstellung unverändert überstanden, andere wurden im Stil der Kirchentonarten – korrekter: Modi – neu komponiert.

Im Irish Folk spielen neben Dur und Moll vor allem Dorisch und Mixolydisch eine Rolle.

Powerchords

Dreiklänge bestehen aus drei Tönen mit Terzabstand. Dabei ist eine der Terzen klein (bei Moll die erste), die andere groß (bei Dur die erste). Lässt man den mittleren Ton weg, erhält man einen Powerchord: zwei Töne im Quintenabstand. Diesem unvollständigen Akkord fehlt die Zuordnung zum Dur/Moll-System. Zudem klingt er dünner als ein voller Akkord.

Auf der Gitarre sind Powerchords sehr einfach zu greifen, aber es stehen nur drei Saiten zur Verfügung. Bei diatonischen Akkordeons erhöhen Powerchords die Anzahl der Tonarten, die man mit der linken Hand begleiten kann. So passt der D-Akkord mit stillgelegter Terz sowohl zu einem Stück, das D-Dur erfordert, als auch zu einem, das D-Moll benötigt.