Aqua Acidi borici – Borwasser

Borwasser und Borsalbe waren lange Zeit beliebt als gut verträgliche Desinfektionsmittel, zum Beispiel für Wunden und Schleimhäute, obwohl schon in Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis von 1930 zu lesen war, dass Borsäure Wirkungslücken zum Beispiel gegen Schimmelpilze aufweist und dass es zu Vergiftungen durch Resorption kommen kann.

Ein Abschnitt über Borsäure findet sich zum Beispiel in Louis Lewin: Gifte und Vergiftungen (F├╝nfte Auflage von 1928). Lewin berichtet, dass bereits Mengen ab 1 g auch bei örtlicher Anwendung zu Schäden führen können. Mengen ab 8 g sind tödlich. Lewin berichtet auch über einen Todesfall nach äußerlicher Anwendung von Borsalbe bei Erwachsenen.

1984 zog das Bundesgesundheitsamt nach Berichten über Vergiftungen bei Säuglingen und Kleinkindern (die wegen großem Anteil der Haut am Gesamtkörper, schlechter Ausscheidungsleistung und großer Hautdurchlässigkeit besonders gefährdet sind) die Reißleine und verbot Borverbindungen bis auf die Anwendung zur Isotonisierung von Augentropfen.

Es wird behauptet, dass Bor gegen Osteoporose helfen könne und an der Bildung von Sexualhormonen beteiligt sei. Dies ist unbewiesen und zweifelhaft. Falls dem so wäre, ist der vermutete Bedarf über die übliche Ernährung gedeckt; bei zusätzlicher Zufuhr handelt man sich gesundheitliche Risiken ein.

Borwasser war im Unterschied zu Borsäure nicht im Arzneibuch monographiert. In Apotheken waren 3% eher üblich als 2%, das Standgefäß könnte daher aus einer Drogerie stammen.