Concertina

Vergleich zum Akkordeon

Unterschiede

Gemeinsamkeiten

Concertina-Bauarten

Englische Concertina und Duett-Concertina:
gleichtönig und voll chromatisch. Hayden-Duett-Concertinas sind besonders interessant, da sie eine 6x6-Tastatur haben.
Deutsche Concertina
(mit zwei Tastenreihen) wechseltönig und diatonisch.
Wechseltönig heißt: Auf Druck und Zug erklingen verschiedene Töne. Der große Vorteil: ohne die Handposition zu verändern, stehen 16 verschiedene Töne zur Verfügung. Das reicht für viele Stücke aus dem Folk-Bereich.
Diatonisch heißt: Es sind nicht alle Töne vorhanden, es lässt sich nicht in allen Tonarten musizieren.
Bei einer C/G-Concertina wäre, wenn sie eine Klavier-Tastatur hätte, nur eine einzige schwarze Taste pro Oktave vorhanden.
Anglo-German Concertina:
eine deutsche Concertina, die in einer dritten Tastenreihe die fehlenden Halbtöne trägt, damit ist sie chromatisch – allerdings mit der Einschränkung, dass nicht jede beliebige Tonkombination gleichzeitig gespielt werden kann. Stücke in Tonarten mit höchstens einem b oder höchstens zwei # lassen sich am besten spielen.

Im folgenden geht es um die Anglo-German Concertina oder kurz Anglo.

Tastenanordnung

Das Tastaturlayout ist unregelmäßig. Gängige Akkorde lassen sich dadurch einfach greifen, das Melodiespiel ist von Oktave zu Oktave verschieden. Gary Coover (Gary Coover: Anglo Concertina in the Harmonic Style. Rollston Press, 2013) verglich die Anordnung mit einer Schreibmaschinentastatur, die ebenfalls auf den ersten Blick unlogisch erscheint. Mit der Schreibmaschine gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten:

Bei den meisten Anglos ist die erste Reihe in G, die zweite in C. Ein Musikstück, das mit einer Reihe auskommt, kann dadurch einfach durch Wechsel der Reihe eine halbe Oktave höher oder tiefer gespielt werden. Viele Töne auf der ersten Reihe auf Zug gespielt werden, stehen auf der zweiten Reihe auf Druck zur Verfügung und umgekehrt. Das ermöglicht einerseits längere Passagen ohne Richtungswechsel des Balges zu spielen, andererseits ermöglicht es einen Richtungswechsel, wenn die Luft auszugehen droht.

Geschichtliches

Die deutsche Concertina erblickte in den 1830er-Jahren als Akkordion das Licht der Welt, ein billiges Instrument (in allen Bedeutungen dieses Wortes) mit anfangs nur einer Tastenreihe und rechteckigem Gehäuse. In England gab es zu dieser Zeit schon die Englische Concertina, ein handwerklich hergestelltes, hochwertiges und hochpreisiges Instrument mit sechseckigem Gehäuse. Die Exportmodelle wurden dann spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts zweireihig und sechseckig und bekamen den Namen Concertina – ein klarer Fall von Markenpiraterie.

Der günstige Preis und die einfache Erlernbarkeit durch Personen, die keine Noten lesen konnten, sorgte dafür, dass die deutsche Concertina ein nahezu weltweiter Exportschlager wurde. Musiker mit Ambitionen suchten nach höherwertigen Alternativen, und so entstand in England die Anglo-German Concertina mit erweiterter Tastatur und höherwertigem Aufbau.

Die große Zeit der Concertina endete mit dem ersten Weltkrieg. Dies lag nicht nur am Krieg sondern auch am Aufkommen der Schallplatte. Anstatt selbst dilettantisch Musik zu machen, wurde Musik aufgelegt. (nach Dan M Worrall: The Anglo-German Concertina: A Social History. Concertina Press, 2010)